Dobrodošli

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Kroatien: das ehemalige Fischerdorf Vrsar (Istrien)

Verfasst von Tina am Dezember 19, 2007




Geschichte:

Der Name Vrsar (italienisch Orsera) ist sehr alt. In den mittelalterlichen italienischen Dokumenten findet man den Namen des Städtchens in verschiedenen Variationen:
z.B. – Ursaria
- Ursarium
- Vrsarium
- Orsaria
Mit dem Namen Ursaria ist sogar der ganze Küstenabschnitt zwischen Funtana und dem Lim-Fjörd bezeichnet. Die Sprachwissenschaftler vermuten, das zum Grund des Namen Ursari das altmediterrane Wort „ur“ (Quelle) liegt.
In den alten Zeiten, als sie entlang der Westküste Istriens übers Meer fuhren, holten die alten Seeleute Trinkwasser aus den Quellen zwischen Vrsar und Funtana, und so entstand der Name Ursaria. Unter diesem Namen war Vrsar in der römischen und byzantinischen Zeit bekannt. In der kroatischen Bezeichnung wurde „u“ durch „v“ ersetzt und die Endung „ia“ ist mit der Zeit verschwunden. So entstand der kroatische Name Vrsar.
Die Spuren menschlicher Siedlungen kann man auf der Halbinsel bis in die Prähistorie zurück verfolgen. Es wurden Spuren aus der Altsteinzeit und der Neusteinzeit gefunden. In einer Grotte oberhalb vom Lim unweit von Vrsar sind Spuren einer prähistorischen Siedlung aus dem Paläeolithikum entdeckt worden (die Grotte des heiligen Romuald). Welche ethnische Zugehörigkeit die Ureinwohner der Halbinsel Istriens hatten, ist nicht bekannt.
Die ältesten Einwohner Istriens, dessen ethnische Zugehörigkeit feststeht, sind die Histri und Liburni. Die Histri bewohnten den größten Teil der Halbinsel Istrien, ihnen verdankt auch Istrien seinen Namen. Die Liburni lebten nur an der nordöstlichen Küste.
Die wahre Geschichte Vrsars beginnt allerdings erst mit der römischen Besetzung Istriens.
Die Histiri waren weit bekannt als gefährliche Piraten, sie raubten auch römische Schiffe aus und so kam es bald zu Auseinandersetzungen. Im Jahr 178 vor Chr. Eroberten und vernichteten die Römer die Hauptstadt der Histrer – die Stadt Nesactium, das heutige Vizace unweit von Pula. Im 1. Jahrhundert v. Chr. besiegten die Römer auch die Liburen und so wurde ganz Istrien für einige Jahrhunderte Teil des römischen Reiches.
An den Küsten Istriens entstanden römische Kolonien: Parentium =Porec, Pola =Pula.
Im Bereich von Vrsar besaßen einige reiche römische Aristokraten Höfe mit Wohn – und Wirtschaftsgebäuden. Vrsar war in der römischen Zeit mehr als ein Dorf, es war ein wichtiges Handelszentrum im Handel mit landwirtschaftlichen Produkten und Viehzucht. Die römische Straße Via flavia verband im Hinterland von Vrsar: Pula – Porec – Triest.
Im 2. und 3. Jahrhundert breitete sich in Vrsar eine neue Religion aus – das Christentum. Neben Porec und Pula wurde Vrsar im 4. Jh. eine wichtige altchristliche Siedlung. In der 2. Hälfte des 5. Jahrhunderts , nach dem Fall des römischen Reiches, war Istrien lange Zeit durch germanische Eroberer – Goten besetzt. Der byzantinische Kaiser Justinan (527 – 565) besiegte die Goten und schloss Istrien dem oströmischen Reich an (Byzanz).Im6. und 7. Jh wanderten die Slaven aus ihrer Urheimat hinter dem Karpaten auf dem Balkan und dem byzantinischen Istrien ein. Die byzantinischen Verteidiger versuchten vergebens den Eindrang der Slawen ( Kroaten und Slowenen) zu stoppen. Ungefähr zwischen 599 und 611 eroberten und zerstörten die Slawen Vrsar.
In der Zeitspanne von 10. bis 18. Jahrhundert war Vrsar administratives Zentrum der Grafschaft der Bischöfe von Porec. In Wirklichkeit herschten die Bischöfe von Porec über Vrsar im Auftrag der römischen Päpste, welche ihren Bischöfen von Zeit zu Zeit ihre Rechte bestätigten. Im Jahre 1177 besuchte der Papst Alexander Paul der III Vrsar auf seiner Reise von Venedig nach Ancona und ist 3 Tage geblieben.
Die Bischöfe von Vrsar stellten Verwalter über Vrsar ein, welcher die Landgüter verpachtete. Diese Landgüter waren die wichtigsten Einnahmequellen für das Bistum Porec.
In der Zeit der Renaissance und des Barocks wurden die Steinbrüche in Vrsar intensiv ausgebeutet.
In der Zeit vom 15. bis 17. Jahrhunderts wurde Vrsar einige Male durch die Pest verwüstet.
Im Jahr 1778 hob der Senat von Venedig die Kirchenrechte der Grafschaft von Vrsar auf, und Vrsar fiel unter die direkte Zuständigkeit des Dogen von Venedig.
1797 besiegte Napoleon Bonaparte die Republik des hl Marcus ( Venedig) und damit fiel Istrien dem österreichischen Kaiser Franz den I zu.
1805 fiel Istrien den Franzosen zu
1813 bis 1918 gelang es der k. und k. Monarchie Istrien wieder einzunehmen.
Im 19. Jahrhundert, Vrsar eine kleine Dorfgemeinde integriert im Bezirk Porec, dehnt sich aus, in der Bucht wurde der neue Hafen gebaut. Auf den Berghängen zwischen Meer und Altstadt entstanden neue Häuser. Im Jahr 1900 wurde die neue Schule gebaut.
1918 bis 1943 fällt Istrien an die Italiener.
Im Oktober 1943 wurde Istrien von den Deutschen besetzt.
Mai 1945 wurde Vrsar befreit.
Nach dem Vertrag in Paris 1947 fiel Istrien an die Republik Kroatien im Gefüge Jugoslawiens.
Seit 1991 wurde Kroatien ein selbstständiger Staat.

Lage:
Gemeindeort mit 1620 Einwohnern südlich von Porec an der Straße Porec – Rovinj.

Umgebung:
In der Nähe des Städtchens Vrsar ist die romantische Lim-Bucht, die natürliche Grenze der Gemeinde Vrsar zur Stadt Rovinj.

Sehenswürdigkeiten:
Die Kirche der heiligen Foska:
Baustil der Kirche (erste Hälfte des 17. Jahrhunderts) weist Merkmale aus der Renaissance mit einigen Barockelementen auf.
Auf dem Kirchturm befanden sich, bis zur Beschlagnahmung für Kriegszwecke, 2 Glocken aus der Glockengießerei Venedigs. Diese wurden während des 1. Weltkrieges entfernt.
Anstelle der entfernten Glocken wurde 1922 eine neue Glocke aufgehangen, auch diese wurde zu Kriegszwecken, diesmal 2. Weltkrieg, entfernt.
Diese Glocken wurden aber für die diversen Kriege wohl doch nicht gebraucht und sind heute im Turm neben der Kirche des hl. Martin ausgestellt.
In der restaurierten Kirche befindet sich heute eine reiche Sammlung sakraler Gegenstände, unter anderem Abbildungen der Folterung des heiligen Foska aus dem 17. Jahrhundert.

Das Hauptstadttor:
Neben der Kirche der St. Foska befindet sich das Hauptstadttor der mittelalterlichen Stadt Vrsar. Das romanische Tor stammt aus dem 13.Jahrhundert. An der Steinplatte oberhalb des Tores ist ein flaches Relief mit einer Miniatur des Löwen des heiligen Marcus ( Symbol der Republik Venedig) zu sehen. Links vor dem Tor ist die erste Volksschule in Vrsar aus dem 19. Jahrhundert.
Auf dem Plateau der alten Stadt Vrsar steht die Pfarrkirche des St. Martin und das alte Kastell ( ehemalige Sommerresidenz der Bischöfe von Porec). In der vorgeschichtlichen Zeit befand sich auf dieser Stelle eine befestigte ovalförmige Siedlung der alten Histri, den Ureinwohnern Istriens.

Die Pfarrkirche des St. Martin:
Die Grundsteine wurden 1804 gelegt, der Bau wurde in der Zeit der französischen Besetzung (1805 bis 1813) fortgesetzt, danach lagen die Bauarbeiten jahrelang still. In der Zeit 1927 bis 1935 wurden die Bauarbeiten beendet und die Kirche vollendet. Der Bischof von Porec Trifun Pederzolli hat am 19.03.1935 die neugebaute Kirche festlich geweiht.



Die Sommerresidenz der Bischöfe von Porec:

Neben der Pfarrkirche befindet sich der halbzerstörte Palast, welcher einst die Sommerresidenz der Bischöfe von Porec war.
Im 12. und 13. Jahrhundert besaßen die Bischöfe einen bescheidenen romanischen Palast, doch im Laufe einiger Jahrhunderte war der ursprüngliche Palast ununterbrochen umgebaut und erweitert worden. Der Palast war mit einer Verteidigungsmauer und Schiesstüren umgeben, Reste der Mauer sieht man noch heute.
Im 19. Jahrhundert wurde der Palast Eigentum der Patrizierfamilie Vergotini aus Porec.

Der alte Platz:

Im Zentrum von Vrsar befindet sich der alte Platz. Auf dem Platz standen früher viele Gebäude von kulturhistorischer Bedeutung. Das heutige Aussehen des Platzes stammt aus dem 19. und 20. Jahrhundert, aber bis zum heutigen Tage sind einige Reste der alten Architektur erhalten geblieben. Im Gebäude mit der alten Uhr und der Glocke auf dem Dach war einst die Gemeindeverwaltung von Vrsar untergebracht. Heute befindet sich darin die Apotheke. Auf dem Platz war einst eine mittelalterliche Pfarrkirche, diese wurde 1941 zerstört. Auf dem Platz befindet sich ein Denkmal den Opfern aus dem 2. Weltkrieg gewidmet. Auf der südwestlichen Seite des Platzes befindet sich das alte romanische Tor.

Das alte romanische Tor:
Dieses Tor ist im Vergleich zum Haupttor kleiner und wird daher das kleine Stadttor genannt.
Das Tor wurde in der 2. Hälfte des 12. oder Anfang des 13. Jahrhunderts gebaut. Das Tor ist aus 13 Steinblöcken gemeißelt. Das Tor war Teil der Stadtmauer, die Torflügel sind aus istrischen Eichenholz. Auf einem Relief befindet sich auch hier ein gemeißelter Löwe des heiligen Marcus. Neben dem Tor sind 2 Kanonenkugeln eingemauert, welche wahrscheinlich von den englischen Schiffen stammten, die damals am Anfang des 19. Jahrhunderts die Städtchen Istriens bombadierten.

Kirche des heiligen Antons:
In der Nähe des alten Tores befindet sich das Kirchlein des heiligen Anton von Padua aus der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts ( 1656).
Das innere der Kirche ist renoviert und im Sommer werden darin von Zeit zu Zeit Kunstausstellungen veranstaltet.

verlassene Steinbrüche:
Im „wiedergeöffneten“ Steinbruch Montraker findet in den Sommermonaten die internationale Bildhauerschule statt. Die Werke der Künstler bleiben in Vrsar und tragen zur Verschönerung des Ortes bei.



Der Skulpturenpark Dusan Dzamonja:

In unmittelbarer Nähe von Vrsar befindet sich der Skulpturenpark von Dusan Dzamonja. Auf dem Hügeln dicht des Meeres auf mehr als 10 Hektar Weide befinden sich das Atelier des Künstlers, Werkstätten und der Skulpturenpark. Dzamonjas Skulpturen, die mit Hilfe von Nägel und Ketten gemacht wurden, haben besondere Aufmerksamkeit der Weltkritik bei der Biennale in Venedig der sechziger Jahre erregt. Die Werke des Künstlers sind in den Musen New York, London, Paris, Sao Paolo, Antwerpen und vielen anderen Städten der Welt ausgestellt.

Hier nun noch ein paar Bildchen ;-)

Am Hafen von Vrsar

Blick über die Dächer Vrsars

Im Ort

Laku noc! ( = Gute Nacht! )

8 Antworten zu “Kroatien: das ehemalige Fischerdorf Vrsar (Istrien)”

  1. Kroatien: Der Skulpturenpark von Dušan Džamonja in Vrsar (Istrien) « Mein kleiner privater Blog sagt:

    [...] baut er in Vrsar ein Haus, ein Studio und den Skulpturenpark. Rund 6 Monate im Jahr verbringt der Künstler [...]

  2. Kroatien: AMS-Yachting bietet Segeltörns für junge Leute an « Mein kleiner privater Blog sagt:

    [...] Leute zwischen 14 und 20 Jahren an. Ausgangshafen für die einwöchigen Jugendtörns ist die Marina Vrsar in Istrien. Der Preis für die All-Inclusive-Törns mit Koje, Speisen und Getränke an Bord [...]

  3. Kroatien: Hotel Pineta in Vrsar (Istrien) « Dobro došli sagt:

    [...] einem Bummel durch Vrsar schaute ich mir mal das Hotel Pineta etwas genauer [...]

  4. Kroatien: Campingplatz Porto Sole und Ferienanlage Petalon in Vrsar (Istrien) « Dobro došli sagt:

    [...] Kroatien: Campingplatz Porto Sole und Ferienanlage Petalon in Vrsar (Istrien) Heute mal ein kurzer Bericht von der Anlage Petalon und dem Campingplatz Porto Sole in Vrsar. [...]

  5. Kroatien: Der FKK Campingplatz Koversada in Vrsar (Istrien) « Dobro došli sagt:

    [...] Park Koversada 52450 Vrsar Telefon: +385 52 441 378 Fax: +385 52 441 [...]

  6. Kroatien: Campingplatz Orsera in Vrsar (Istrien) « Dobro došli sagt:

    [...] Campingplatz Orsera in Vrsar (Istrien) Im Mai 2007 besuchte ich den Campingplatz Orsera in Vrsar ( ehemals Camping Turist). Ich besuchte den Platz ehrlich gesagt nicht um dort meinen Urlaub zu [...]

  7. Kroatien: Campingplatz Valkanela in Vrsar (Istrien) « Dobrodošli sagt:

    [...] Kommentare Kroatien: das ehemal… zu Kroatien: Der Skulpturenpark v…Kroatien: Baufortsch… zu Kroatien: Hotel Laguna [...]

  8. Kroatien: Restaurant der Ferienanlage Belvedere in Vrsar (Istrien) « Dobrodošli sagt:

    [...] von Tina am Mai 27, 2008 Nur eine kurze Info, in Vrsar tut sich so einiges. Nun ist inzwischen das Restaurant der Ferienanlage Belvedere neu renoviert und [...]

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